Heinrich Heine Gymnasium - Bottrop
Heinrich Heine
Unbenanntes Dokument

Das Motiv des Wanderers

von Günter Landsberger

Wenn ein weiblicher oder männlicher Deutsch-Lehrer - natürlich unter gewissenhafter Beachtung der Vorgaben des Zentalbiturs - auf die Idee käme, mit einem der Oberstufenkurse ein bestimmtes wichtiges Motiv der deutschen Literatur zu verfolgen, so könnte er unversehens auf das literarische Motiv des Wanderers stoßen: und zwar recht reichhaltig u. a. bei Grimmelshausen, Christian Reuter, Goethe, Karl Philipp Moritz, Hölderlin, Jean Paul, Seume, Tieck, Eichendorff, Heine, Fontane, Nietzsche, Robert Walser, Walter Benjamin, Franz Hessel, Joseph Roth, Oskar Loerke, Anna Seghers, Heinrich Böll und Hermann Lenz. Und sehr bald bildete sich ein ganzer Fundus an Reihenbildungen, aus denen man im Einvernehmen mit dem jeweiligen Kurs variantenreich schöpfen könnte.

Auch Fächerübergreifendes böte sich da unschwer und ergiebigst an: In der Musik wartete nicht nur das Kunstlied auf uns, also das von Schubert, Schumann, Janácek, Mahler, Schoeck und Krenek, sondern auch Schuberts Wanderer-Fantasie für Soloklavier, die Berlioz-Symphonie Harold in Italien oder auch der Song Just walkin' in the rain. Und im Bereich der bildenden Kunst? War und ist da nicht, beeindruckend genug, das Werk von Caspar David Friedrich? Und in der Philosophie die Peripatetiker, F. Nietzsche, M. Heidegger und Ludwig Hohl. Und im Französischen Senancour, Julien Gracq und Philippe Jaccottet. Und im Russischen? In der Literatur z. B. Nikolai S. Lesskow („Der verzauberte Pilger“) und im Film Andrej Tarkovskij („Andrej Rublëv“). Und ganz sicher könnte man noch viel mehr finden, immer mehr ins Detail gehen ... Und wirklich: Gibt es da als Variante nicht auch noch das entschiedene Pilgern gläubiger Menschen oder noch umfassender die fundamentale religiöse Überzeugung von einer Lebenspilgerschaft? Und gehören zu unserem Thema der Wanderungen leider nicht auch noch die vielen unfreiwilligen Migrationsbewegungen in Geschichte und Gegenwart?

Oder sollte man zunächst überhaupt nur - betont harmlos und scheinbar noch ganz im Umkreis des Sports verweilend - anknüpfen an das heute so gängige Walken, Joggen und Nordicwalking? Immerhin könnte man von da aus schon in den 8er-, 9er- und 10er-Klassen Begriffsbestimmungen und Erörterungen in Gang setzen. -

Gesetzt den Fall, dass nun jemand diesen meinen Beitrag - insbesondere im oberen Bereich - als bloßes Namedropping empfinden sollte, so bin ich, um diesen dann hoffentlich nur vorläufigen Eindruck zu widerlegen, bei konkreter Nachfrage sehr gerne dazu bereit, auch im Detail Genaueres auszuführen und somit möglichst triftig Auskunft zu geben.

 

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